Chapter 2:

Yeshua, der israelische Nazarener

This post is also available in: English Español Indonesia српски Français Nederlands Português

Im letzten Kapitel haben wir feststellen können, dass die Christen und die Nazarener im vierten Jahrhundert zwei verschiedene Glaubensrichtungen waren – aber auch, dass die Christen die Nazarener verfolgten. Die Geschich­te belegt, dass der Yeshua haMashiach ein Nazarener war. Allerdings reicht die Historie allein nicht aus – wir müssen alles anhand der Schrift überprüfen. War Yeshua also ein Christ oder war Er ein Nazarener?

Der erneuerte Bund (Neues Testament), sagt uns, dass der Mashiach Yeshua Nazarener genannt werden wird, weil Er in einer Stadt aufwuchs, welche Nazareth (Natseret, נצרת) hieß. Lasst uns dafür die aramäische Peshitta anschauen.

Mattityahu (Matthäus) 2:23
23 Und dort angekommen, ließ er sich in einer Stadt namens Nazareth nieder, damit erfüllt würde, was durch die Propheten gesagt ist, dass er ein Nazarener genannt werden wird.
ואתא עמר במדינתא דמתקריא נצרת איך דנתמלא מדם דאתאמר בנביא דנצריא נתקרא

Es kann vorkommen, dass manch einer die Referenz dazu in unseren Übersetzungen des Tenachs (Altes Testament) sucht, diese dort aber nicht findet. Die Referenz bezieht sich auf den hebräischen Wortlaut in Yeshayahu (Jesaja) 11:1, in dem geschrieben steht, dass ein Stab (König David), aus dem Stumpf Jesse (Isai, Davids Vater) hervorsprießen wird – und dass ein Zweig (Yeshua) aus dieser Wurzel hervorkommen würde. Das Wort für „Zweig“ ist netzer (נצר) (siehe Hervorhebung):

Yeshayahu (Jesaja) 11:1
1 Und es wird ein Zweig hervorgehen aus dem Stumpf Isais und ein Schössling (נצר) hervorbrechen aus seinen Wurzeln.
וְיָצָא חֹטֶר מִגֵּזַע יִשָׁי | וְנֵצֶר מִשָּׁרָשָׁיו יִפְרֶה

Im hebräischen und aramäischen Gedankengut ist es so, wenn Yeshua ein Nazarener genannt wird, dann würden Seine Anhänger ebenso Nazarener genannt werden. Darum beschuldigten die Pharisäer den Sha‘ul (Paulus) in Apostelgeschichte 24:5, dass er ein Anführer der Sekte der Nazarener sei (und nicht Christ).Mattityahu haben wir in Aramäisch vorliegen, während wir Yeshayahu in Hebräisch lesen dürfen, dennoch können wir durch das Weglassen der Vokale erkennen, dass Nazarener (נצריא) und Netzer (נצר) dieselbe Wurzel haben (נצר), von daher ist es auch korrekt, dass Mattityahu sagte, Yeshua würde Nazarener genannt werden.

Ma’asei (Apostelgeschichte) 24:5
5 Wir haben nämlich diesen Mann als eine Pest befunden, als einen, der Aufruhr stiftet unter allen Juden in der ganzen Welt, als einen Anführer der Sekte der Nazarener.

Aber warum sagten die Pharisäer, dass Apostel Sha‘ul Teil einer Sekte sei? Im Hebräischen lautet der Begriff für „Sekte“ min (מן), welches Abkehr bedeutet. Die grundlegende Idee ist, dass der Glaube, welchen יהוה dem Volk Israel am Berg Sinai gab, der einzig richtige und wahre Glaube ist – und das alles Andere eine Abkehr von diesem Glauben ist. Das heißt, wenn die Pharisäer sagen, dass Sha‘ul Teil einer „Sekte“ sei, so würde das bedeuten, dass er von der Wahrheit abgerückt ist. Sha‘ul empfand es allerdings nicht so, als wäre er von der Wahrheit abgerückt, denn er glaubte immer noch an alles, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht.

Ma’asei (Apostelgeschichte) 24:14
14 „Das bekenne ich dir aber, dass ich nach dem Weg, den sie eine Sekte nennen, dem Elohim (Gott) der Väter auf diese Weise diene, dass ich an alles glaube, was im Gesetz (der Torah Moshes) und in den Propheten geschrieben steht.“

Wir werden dieses Thema in späteren Kapiteln noch einmal aufgreifen, wenn wir mehr Hin­ter­grund­in­for­ma­tionen haben. Zu diesem Zeitpunkt wollen wir allerdings festhalten, dass Sha‘ul niemals behauptete, dass er ein Christ wäre. Stattdessen beteuerte er sogar ein Israelit zu sein – und er glaubt weiterhin noch an das, was im Gesetz und in den Propheten geschrieben steht. Dies jedoch können nicht viele Christen ehrlich von sich behaupten.

Während sich das Wort „Sekte“ auf einen Kult beziehen kann, bezieht es sich meistens jedoch auf den Teilbereich von etwas Größerem. Zum Beispiel kann das Christentum in verschiedene Unter-Sekten ein­ge­teilt werden (u. a. Katholizismus, Protestantismus und orthodox) – und in diesen Sekten, gibt es dann wiederum weitere Unter-Sekten. So gibt es innerhalb des Protestantismus bspw. Lutheraner, Baptisten, Methodisten und Pfingstler. Paradoxerweise betrachten die Mitglieder mancher Sekten die Mitglieder aller anderen Sekten als Ketzer – und diese Haltung ist sogar biblisch, auch wenn sie falsch angewendet wird.

Das Judentum ist ähnlich unterteilt und fragmentiert. Die orthodoxen Juden formen die größte Sekte, doch es gibt auch konservative Juden, Reformjuden, Karaite-Juden, chassidische Juden, und noch andere. Die orthodoxen Juden betrachten alle anderen Sekten als Ketzer (wie oben in Apostelgeschichte 24:14 angedeutet).

Es ist hilfreich zu verstehen, dass die Schrift Menschen­grup­pen nach ihrer Grundeinstellung und ihrem Glauben einteilt; d. h. sie werden nach ihrer Gesinnung bezeichnet. Darum existieren auch heute noch die gleichen Sekten wie im ersten Jahrhundert – nur eben mit anderen Namen, doch die gleiche Gesinnung ist heute nach wie vor am Wirken.

Erstes Jahrhundert Heute
Pharisäer orthodoxe Juden
Hellenisten/Griechische Juden Reformjuden
Nazarener Nazarener
“Pharisäer, die glaubten” Messianische Juden

Die Sekte der Pharisäer des ersten Jahrhunderts änderte ihren Namen während des Mittelalters, und nun werden sie die orthodoxen Juden genannt. Die heutigen Karaite-Juden stammen von der Sekte der Sadduzäer. Obwohl es keine direkte Verbindung gibt, sind die Hellenisten des ersten Jahrhunderts (in manchen Über­set­zungen auch „griechische Juden“ genannt) den refor­mier­ten Juden von heute ähnlich, da sie die gleiche Ge­sin­nung haben. Wir werden später erkennen, dass die rabbinischen messianischen Juden von heute wie die „Pharisäer, die glaubten“ aus Apostelgeschichte 15 sind (wir werden über die messianischen Juden im weiteren Verlauf mehr erfahren). Weil es uns später von Nutzen sein wird, werden wir hierauf ein wenig Zeit verwenden, um zu verstehen, wer diese Gruppierungen sind.

Die Schrift bezeichnet Menschen nach ihrem Glauben und ihrem Wandel. Zum Beispiel wird Israel Israel genannt, weil sie an den Elohim Israels glauben. Wenn wir jedoch über die Griechen (Hellenisten) im erneuerten Bund lesen, sind diese nicht etwa ethnische Griechen, dafür aber weniger strenggläubige Juden, die einem Eindringling mehr Gehör schenken als יהוה. Etwa zwei Hundert Jahre vor Yeshua drang der hellenische König Antiochus in Judäa ein, wo er befahl, dass alle Israeliten יהוה vergessen sollten, um stattdessen griechische Göt­ter anzubeten. Diejenigen, die ihm gehorchten (wenn auch nur teilweise) wurden „Griechen“ (oder Hel­le­nisten) genannt als abwertende Bezeichnung, da sie die griechischen Bräuche und Traditionen angenommen hatten.

Maqabim Aleph (1. Makkabäer) 1:43-45
43 Und Antiochus ließ ein Gebot ausgehen durch sein ganzes Königreich, dass alle Völker zugleich einerlei Gottesdienst halten sollten.
44 Da verließen alte Völker ihre Gesetze und willigten in die Weise des Antiochus.
45 Und viele aus Israel willigten auch darein und opferten den Götzen und entheiligten den Shabbat.

Es war üblich, den Menschen bis zur Aufklärung (d. h. des Luziferianismus) des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts nach seinem Glauben zu benennen. Dies ist auch die Zeit, in der das reformierte Judentum begann. Reformjuden finden es in Ordnung, Glaubens­rich­tungen zu mischen, und sie sind offen dafür, andere Glaubensrichtungen anzuhören. Dies aber ist der Geist der Griechen (oder Hellenisten) des ersten Jahrhunderts – und dies mag auch ein Grund dafür sein, warum sich die Pharisäer fragten, ob Yeshua außerhalb des Landes bei den Griechen lehren würde.

Yochanan (Johannes) 7:34-35
34 „Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo Ich bin, dorthin könnt ihr nicht kommen.“
35 Da sprachen die Juden untereinander: „Wohin will Er denn gehen, dass wir Ihn nicht finden sollen? Will Er etwa zu den unter den Griechen Zerstreuten gehen und die Griechen lehren?“

Später werden wir sehen, dass das Christentum höchstwahrscheinlich aus den hellenistischen Juden hervorging. Doch wir müssen verstehen, dass der Schrift unsere genetische Abstammung ziemlich egal ist, denn יהוה interessiert sich nicht für unsere Genetik, sondern für unser Herz! Deshalb sagte auch Yochanan HaMatbil (Johannes der Täufer) zu den Pharisäern und Sadduzäern, dass ihre Genetik keine Garantie für Erlösung wäre.

Mattityahu (Matthäus) 3:7-9
7 Als er aber viele von den Pharisäern und Saddu­zäern zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: „Schlangenbrut! Wer hat euch eingeredet, ihr könntet dem zukünftigen Zorn entfliehen?
8 So bringt nun Früchte, die der Buße würdig sind!
9 Und denkt nicht, bei euch selbst sagen zu können: »Wir haben Avraham zum Vater«. Denn ich sage euch: Elohim vermag dem Avraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken!“

Heute (nach der Aufklärung) wird angenommen, dass es ein Unterschied ist, ein Israeli oder ein Israelit zu sein. Um ein Israeli zu sein (d. h. im Land Israel zu wohnen) benötigst du Papiere vom Staat. Als ein Israelit dagegen konvertierst du einfach zu der Anbetung des Elohims Israels, wie Root (Ruth) es tat.

Root (Ruth) 1:16-17
16 Aber Ruth antwortete: „Dringe nicht in mich, dass ich dich verlassen und mich von dir abwenden soll! Denn wo du hingehst, da will ich auch hingehen, und wo du bleibst, da will ich auch bleiben; dein Volk ist mein Volk, und dein Elohim ist mein Elohim!
17 Wo du stirbst, da sterbe auch ich, und dort will ich begraben werden; der יהוה tue mir dies und das und noch mehr, wenn nicht der Tod allein uns scheiden soll!“

Würde Ruth, die in dem Augenblick zu einer Israelitin wurde, da sie dem Elohim Israels ihre Treue schwor, heute ohne Papiere vom Staat an die Grenzen Israels kommen, würde sie höchstwahrscheinlich ausgewiesen werden. Diese Art Unterscheidungen existieren in der Schrift aber nicht. Wen Du auch immer anbetest (und wie Du dich selbst identifizierst), diese Person bist du auch (und so wirst du genannt werden).

Lasst uns dies alles im Hinterkopf behalten und bemerken, dass sich der Apostel Sha‘ul selbst als Israelit (ein Anhänger des Elohims Israels) identifizierte, und nicht als Christ.

Qorintim Bet (2. Korinther) 11:22
22 Sie sind Hebräer? Ich bin es auch. Sie sind Israeliten? Ich auch. Sie sind Abrahams Same? Ich auch.

Sha‘ul sagte den Juden in Rom, dass Elohim Sein Volk Israel nicht verworfen habe, da er ebenso ein Israelit sei.

Romim (Römer) 11:1
1 Ich frage nun: Hat Elohim etwa Sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, aus dem Samen Abrahams, aus dem Stamm Benjamin.

Anschließend wurde Sha‘ul nach Rom gesandt, weil die dort anwesenden Juden mehr über die Nazarener Sekte des israelischen Glaubens hören wollten (anstatt über torahloses Christentum).

Ma’asei (Apostelgeschichte) 28:22
22 „Wir wollen aber gerne von dir hören, was du für Ansichten hast; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, dass ihr überall widersprochen wird!“

Der Unterschied zwischen dem ursprünglichen Nazarener Glauben und dem torahlosen Christentum hat mit dem zu tun was Eifer für die drei Ls genannt wird:

  1. The Land of Israel (das Land Israel)
  2. The Hebrew Language (die hebräische Sprache)
  3. The Law of Moshe (die Torah, das Gesetz Moshes)

Die Nazarener hielten eifrig an ihrem Erbe im Land Israel, an der hebräischen Sprache und dem Gesetz Moshes fest, da sie, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, das Gesetz Moshes als ein Ehebündnis zwischen ihnen und יהוה Elohim verstanden, welchem sie gehorchen mussten, wenn sie Teil der Braut sein wollten.

Im Gegensatz dazu lehrt die christliche Kirche, dass das Gesetz kein Ehebündnis sei, und dass es hinweggetan wurde („Ein Glück, dass ich es los bin!“, würden viele sagen).

If these works have been a help to you and your walk with our Messiah, Yeshua, please consider donating. Give